shabotinski: "(b)ypass (k)ill (charhizma012/pdn012)
ewig diese fragen. wie kommt man zu novitäten, wie bricht man aus der zwangsjacke der geschichte aus, wie entflieht man der sogwirkung des sattsam
bekannten? keine ahnung. fortschritt ist selbst zu einer historischen kategorie geworden. innovation mutiert zu akademismus. und besonders im jazz rührt sich wenig bis gar nichts, rühren nun auch noch die jungen in der historischen ursuppe um.
natürlich geht es bei konzepten zwischen tradition und moderne immer auch um
definitorische entscheidungen. markiert man den jazz durch Übliche parameter
(swing, synkope), und hält man fest an altehrwürdigen instrumentierungen, bleibt man zwar erkennbar und marktfähig. man erkauft sich diese attribute indes durch das landen beim historismus.
läßt man aber von den historischen insignien des stils ab, büßt man identität ein, was zur folge hat, daß jazz, wo er womöglich impulse liefert, nicht mehr als solcher erkennbar scheint. dort, wo er neuheit bietet, ist er also gewissermaßen nicht er selbst, da er jene eckpfeiler, Über die er definiert wird, nicht mehr einsetzt.
"na, und?" wird die formation shabotinski wohl fragen, und sie hätte recht:
definitorische probleme sind wie stilnostalgie schlicht zu ignorieren. was not tut, sind offene haltungen und konzepte, neue technologische kunstpfade, die auf dauerhafte bandformen verzichten.
folgerichtig ist shabotinski nur der erkennungsbegriff für die zusammenarbeit von werner dafeldecker und christoph kurzmann. über beide haben die frei improvisierende szene, der jazz und die elektronische welt der laptops zusammengefunden, was alle möglichen strömungen miteinbezieht, und siehe da: es passiert etwas.
die einspielung stenimals war das interessanteste heimische produkt der
letzten jahre, da es aktualität und tradition zu einem strukturell Überzeugenden mix verschmolz. ein musikalisches vexierbild. ein spiel mit der geschichte. und eine schöne lektion, die zeigt, daß der weg zum interessanten Über eine gemeinsame party von an sich getrennten musikszenen führt. auch im lieben alpenland.
(ljubisa tosic)
denn shabotinski, benannt nach einem russischen wissenschaftler, wandeln elemente aus unterschiedlichen musiksphären zu dichten, spannenden kompositionen um .shabotinski schaffen erhabene musik, die den kompromiß zwischen melodie und experiment sucht und findet.
dafeldecker & kurzmann, - der kern von shabotinski - lassen ihr herz weiterhin auch für alle anderen relevanten, nicht gar so hippen neutöner schlagen. "stenimals" oszilliert demnach zwischen neuer elektronik, jazz und postrock.
(alfred pranzl)
ihr musikalisches spiegelteleskop ins
unendliche all der kleinen", unnützen" klänge, um der tradition maximal versteinerten" konzeption von melodie, harmonie oder rhythmus das haupt abzuschlagen.
(leon rosa eisen)
klassische instrumente wie baß, e-gitarre, klarinette oder klavier gehen ein geradezu selbstverständlich brillante symbiose mit an farmers manual erinnernde abstrakt- elektrosounds, breakbeats und flirrenden synths ein. dabei ist das ganze der melodie verschrieben und bestimmt von einer großen leichtigkeit. ständig der verweis auf das analoge im digitalen und vice versa. der
klang von blues-schellacks als bloßes zitat des analogen. die oszilation scheint die grundlegende metapher zu sein. der namenspate der band war der russische wissenschafter shabotinski, welcher sich mit dem potentialausgleich von chemischen stoffen beschäftigte, wie er z.b. bei einer verbrennung passiert, wo kohlenstoffverbindungen in co2 und wasser umgewandelt werden. bei dieser umwandlung entstehen zwischenprodukte, die an ihrer eigenen vermehrung beteiligt sind, wodurch sich eine rückkopplung ergibt. die dabei entstehende oszilation zwischen ausgangsprodukt und endprodukt kann endlos fortgesetzt werden, wenn ständig neue ausgangsstoffe hinzugefügt werden und die endprodukte abgeführt werden. in der biologie wird dieses modell dazu verwendet, um rhythmen wie die schlaf-wach-phasen durch die steuerung Über chemische uhren, die mit hilfe dieser oszilation funktionieren, zu erklären.
(christian könig)
dafeldecker, dieb13 und kurzmann, drei musiker aus der wiener szene, verbindet die gemeinsame idee sich nicht in ein stilistisches korsett pressen zu lassen und lieber einen neuen weg zu. doch gerade diese kompromisslosigkeit führt diese drei musiker immer wieder aus der enge der österreichischen musiklandschaft hinaus und führt sie zu interessanten begegnungen mit musikern, welche eine ähnliche spielhaltung bevorzugen.
(reinhard stöger)
mehr davon!
(ljubisa tosic)