biographie presse mp3 lp (a) 1 02/00 * 5:56 2 guided by beats 3:55 3 pass by 6:07 4 grunt 5:42 (b) 5 untill the real thing comes along 2:54 6 the blessed 4:36 7 as if 6:04 8 waiting for you to come 4:58 9 a letter from home 5:15 single/ 7" (a) 10 le desir 5:39 (b) 11 sleep 5:23 all songs by b.fleischmann saxophone on track 9. c.kurzmann vocals and lyrics on track 10 & 11 c.kurzmann voice sample on track 1: qualtinger liest thoreau. über die pflicht zum ungehorsam gegen den staat. preiser records. Courtesy of preiser records, sessler verlag and christian qualtinger all songs recorded at amann studios. mastered by christof amann. CD 2 Take your time 45:16 b.fleischmann: electronics, piano, drums werner dafeldecker: contrabass christof kurzmann: saxophone, clarintet, g3, vocals martin siewert: guitar, pedal steel, electronics burkhard stangl: vibraphone written by b.fleischmann. Produced and mixed by the musicians..Recorded and mastered at amann studios by christoph amann www.bfleischmann.com www.morrmusic.com am anfang steht eine ambivalente einladung: "welcome tourist" bernhard fleischmann richtet sie einerseits, durch und durch altruistisch gesinnt, an reisende, sich in seiner musikalischen welt umzusehen. in dieser welt finden sich einige fundstücke, die fleischmann selbst als tourist gesammelt hat und die sich auf seinem neuen album bei entsprechender aufmerksamkeit entdecken lassen. andererseits verbindet er mit dem titel aber auch eine kritik an einem menschenbild, dass einzelne individuen nur noch gemäß marktwirtschaftlicher verwertungslogik wahrnimmt. für eine platte, die größtenteils ohne texte auskommt, ist dies natürlich ein schwieriges unterfangen. gerade deshalb eröffnet fleischmann "welcome tourist" aber mit "02/00", das ein explizit politisches zitat des amerikanischen philosophen und schriftstellers h.d. thoreau, welches 1848 in seinem essay "Über die pflicht zum ungehorsam gegen den staat" erschienen ist und nichts an aktualität eingebüßt hat. "welcome tourist" ist aber nicht nur politisches statement, sondern auch ein dokument des wachstums und der verfeinerung. der kern, den fleischmann nach wie vor mit seiner groovebox und seiner neigung zu schwelgerischen harmonieteppichen bildet, hält mittlerweile mehrere anknüpfungspunkte bereit, die bernhard zum teil selbst aufgreift, in dem er sich auf instrumenten wie klavier, vibraphon und schlagzeug begleitet. die damit verbundene band-werdung bleibt jedoch keine durch gängige studiotechniken ermöglichte illusion, sondern wird durch die beteiligung von verschiedenen musikern, darunter charhizma-chef christof kurzmann, sehr konkret. so betont kurzmann durch den einsatz seines gesangs auf den bereits bekannten instrumentals "le desir" und "hope" einen zentralen aspekt der kompositionen fleischmanns, nämliche ihren song-charakter. beide stücke funktionieren in beiden varianten. außerdem ist "welcome tourist" nicht mehr ganz so "faserschmeichelnd", wie man in wien sagt. fleischmanns kreisende melodien werden immer wieder durch noise und störgeräusche durchbrochen, die in diesem falle jedoch nichts mit einem etwaigen (poltischen) unbehagen zu tun haben, sondern ein musikalischer rückbezug auf bernhards vergangenheit in gitarrenkrachbands darstellt. die zusammenarbeit mit verschiedenen musikern hat darüberhinaus einen direkten einfluss auf die entstehung der einzelnen stücke. so steht am anfang meistens eine komposition von bernhard auf der groovebox. auf dem weg zum fertigen song rückt diese dann immer weiter in den hintergrund, bis sie bei einigen stücken nicht mehr als ein schatten, eine verwischte spur ist, die dem resultat dennoch ihren stempel aufgedrückt hat. dies gilt vor allem für das 46-minütige und völlig zu recht "take your time" betitelte stück, das fleischmann ganz besonders am herzen liegt. die verbindliche einladung dieses titels bezieht sich natürlich nicht nur auf die musiker, sondern richtet sich genauso an den hörer, der seine durch dreieinhalb minütige popformate geprägten hörgewohnheiten über bord werfen muss, will er dieses stück erfassen. das stück kann außerdem in direkte beziehung zum albumtitel "welcome tourist" gesetzt werden. "take your time" ist eine dramaturgisch durchinszenierte reise, ein hörspiel ohne worte. die einzelnen stimmen/instrumente stehen dabei beinahe wie allegorische figuren für stimmungen und atmosphären, die ganz automatisch bilder lostreten. das arrangement lässt die einzelnen instrumente dabei geschickt immer wiederkehren, miteinander/gegeneinander antreten, vorher "gesagtes" variieren, stimmungen nacherzählen, deren bedeutungen neu interpretieren und den verlauf schlüssig weiterentwickeln. und genau dieser kunstgriff lässt einen ganz speziellen sog entstehen, macht die handlung von "take your time" über die volle länge spannend und damit auch den besonderen reiz des stückes aus. b. fleischmann take your time b. fleischmann´s musik liess den zuhörer ja schon immer auch eine bandinstrumentierung mitdenken. in den arrangements aus rein elektronischen grooveboxklängen war virtuell - bereits meist eine komplette band vorhanden bzw. vorgedacht. man konnte diese im eigenen kopf förmlich hören bzw. sich selber ausmalen oder erahnen, was die musik im bandzusammenhang bedeuten würde. konsequenterweise hat sich b fleischmann nun darangemacht, seine digitalen klangträume in eine halbanaloge welt, ein mehrköpfiges bandkonzept zu übersetzen und so die strichlierte linie im kopf des zuhörers, die musiker und instrumente umreisst, fertigzuzeichnen. dafür hat er einerseits kongeniale partner - und damit eine kongeniale instrumentierung - andererseits ein bisweilen nicht so einfach zu bespielendes format gewählt: einen song mit lp-füllenden 45 minuten länge. dass dieses format bei take your time bestens funktioniert, ist darauf begruendet, dass das stück gleich einem hörspiel oder hörstück seiner eigenen inneren dramaturgie und logik folgt. nacheinander tauchen die protagonisten der handlung auf: stimmengewirr, wie mit dem stetoskop an der hochspannungsleitung abgehört, flirrende elektronik, noise- bzw. störgeräusche, stark gecuttet, clicks die zu beats werden, zerlegte gitarrenakkorde. später dann das klavierthema, das sich einen weg durch diese elektronische ursuppe bahnt, durch wiederholung eine ungemein hypnotische wirkung entwickelt und so zu einem ständigen freund oder auch begleiter durch den song wird. die einzelnen stimmen/instrumente stehen dabei beinahe wie allegorische figuren für stimmungen, atmosphären, reflektieren diese mit und treten so ganz automatisch bilder los. wir treffen auf eine pedal steel guitar, die uns die weite der landschaft erzählt, auf midtempo gitarren, die durch die beinahe countryeske gegend schlingern, auf contrabass, saxophone und vibraphone, die uns veschiedenstes assoziieren oder erahnen lassen. das arrangement lässt die einzelnen instrumente dabei geschickt immer wiederkehren, miteinander/gegeneinander antreten, vorher "gesagtes" variieren, stimmungen nacherzählen, deren bedeutungen neu interpretieren, den verlauf schlüssig weiterentwickeln. und genau dieser kunstgriff lässt einen ganz speziellen sog entstehen, macht die handlung von take your time über die volle länge spannend und damit auch den besonderen reiz des stückes aus. noise, stimmengewirr, entspannter midtempo-elektro-country-rock, jazz, etc.: all das haben die groovebox klangfarben b fleischmanns bis dato im kopf des zuhörers entstehen lassen. in take your time führt uns b fleischmann jene "bandgewordene" version vor, die er selber im kopf hat. |